Konrad´s Boule-Geschichten

Details

 

Diese Geschichte fand ich fast wörtlich in „Der kleine Nick ist wieder da“ von Goscinny (und Sempé), Verlag Diogenes 2006:

 

Madjid ist ein Schulfreund von mir – er hat einen sehr reichen Vater, der ihm immer alle möglichen Sachen kauft -, also Madjid ist heute morgen in die Schule gekommen mit einem großen Paket unterm Arm. Wir haben uns schon gefragt, was da wohl drin ist, aber Madjid macht immer ein bisschen geheimnisvoll, der macht mich verrückt, der Typ – und er hat gesagt, er zeigt es uns in der Pause, nicht vorher.

 

In der Pause hat er sein Paket aufgemacht – das war voller Boule-Kugeln aus Holz: blaue, gelbe, rote und grüne, und natürlich auch das Schweinchen, ganz toll!

 

„So“, hat Madjid gesagt. „Wir spielen in Zweier- Mannschaften. Ich nehme Rüdiger und die roten Kugeln.“

 

„Und wieso, bitte?“, hat Manfred gefragt.

 

„Weil die Boule-Kugeln mir gehören, deshalb nehme ich Rüdiger“, hat Madjid gesagt.

 

„Rüdiger interessiert mich nicht“, hat Manfred gesagt. „Was ich wissen will, ist: Wieso nimmst du dir die roten Kugeln, bitte schön?“

 

Der kennt sich aus, der Manfred. Rüdiger zu wählen lohnt sich zum Beispiel beim Fußball, nämlich Rüdiger ist sehr stark, und wenn er den Ball hat, dann wagt keiner, ihm den abzunehmen. Aber beim Boule oder beim Murmeln – das ist was anderes, da ist es wichtiger, ob einer gut spielt, so wie ich. Rüdiger hat gar nicht gefallen, was Manfred da gesagt hat.

 

„Aber meine Faust auf der Nase“, hat Rüdiger gesagt, „interessiert dich das?“

 

„Guter Witz!“, hat Günter gesagt und er hat gelacht.

 

Er hat aufgehört zu lachen, als Manfred ihm eine gescheuert hat, aber sie haben sich nicht richtig hauen können, nämlich da ist Herr Luckmann angerannt gekommen. Herr Luckmann – ich habe euch schon ein- oder zweimal von ihm erzählt, glaube ich -, der ist einer von den Aufsichts-Lehrern und er hilft dem Roderig, und der ist unsere richtige Aufsicht.

 

„Was gibt es denn nun schon wieder?“, hat Herr Luckmann gefragt. „Ihr wisst doch: mit euch mache ich kurzen Prozess. Beim geringsten Unfug geht ihr alle in die Ecke!“

 

„Aber wir haben doch nichts gemacht, Herr Luckmann“, hat Madjid gerufen. „Wir wollen Boule spielen, das ist alles.“

 

Herr Luckmann hat die Boule-Kugeln angesehen, er hat Madjid angesehen und dann wieder die Boule-Kugeln.

 

„Und wer hat dir erlaubt, ein Boule-Spiel mit in die Schule zu bringen, bitte?“, hat Herr Luckmann gesagt.

 

„Na ja, na ja, wir haben doch nichts Böses vor mit dem Boule-Spiel, Herr Luckmann!“

 

Herr Luckmann hat zu uns gesagt, er hat immer nur Ärger mit uns und es ist sicher, dass es mit dem Boule-Spiel auch wieder Ärger gibt, und er will unseretwegen keinen Ärger haben. Wir haben gerufen:

 

„Ooch, lassen Sie uns doch spielen, Herr Luckmann, bitte, Herr Luckmann!“

 

Aber Herr Luckmann hat den Kopf geschüttelt und abgewinkt, und da ist der Roderig gekommen.

 

„Na, gibt’s Ärger, Luckmann?“, hat der Roderig gefragt.

 

„Noch nicht – aber bestimmt schon bald, so wie ich diese Rabauken kenne“, hat Herr Luckmann geantwortet. „Jetzt wollen sie plötzlich Boule spielen.“

 

„Ach, sie wollen Boule spielen?“, hat der Roderig gefragt. „Na schön, erlauben Sie es ihnen, Luckmann! Sie wissen ja, wo Sie mich finden – und ich garantiere Ihnen: Boule oder nicht – diese Schlingel werden uns keinen Ärger machen!“

 

Herr Luckmann hat dem Roderig nachgesehen und dann hat er zu uns gesagt:
„Gut, ich lasse euch spielen. Aber ihr habt ja gehört, was der Roderig, äh, Herr Roderig euch gesagt hat!“

 

Herr Luckmann ist gegangen und hat sich mit einem Großen beschäftigt, der einen Mittelgroßen gehauen hat, und wir haben weiter Boule gespielt.

 

„Warum hast du mir eine gescheuert?“, hat Günter den Manfred gefragt.

 

„Weil das nicht gerecht ist, dass Madjid die roten Kugeln nimmt“, hat Manfred gesagt. „Das muss ausgelost werden!“ Wir alle, auch Günter, haben Manfred zugestimmt. Ist ja auch wahr: Was bildet sich der Madjid eigentlich ein? Verflixt nochmal! Im Ernst!

 

„Gut wir losen aus“, hat Madjid gesagt, „aber die roten Kugeln habe ich, und wenn euch das nicht gefällt, dann spielt ihr eben nicht mit – das ist alles. Dann spiele ich eben alleine mit Rüdiger, und jeder mit einer roten Kugel!“

 

„Sehr gut, klasse!“, hat Manfred gerufen. „Dann spielt ihr eben allein, wie zwei Trottel!“

 

„Ich möchte die blauen nehmen“, hat der andere Manfred gesagt.

 

Da haben Erwin und ich die gelben genommen, Manfred und Bernd die grünen und Günter und der andere Manfred die blauen. Die Mannschaften haben wir ohne große Diskussionen gebildet, nämlich wir wissen schon: Die Pause ist kurz, und es ist doof, die Zeit mit Rauferei zu verplempern, anstatt Boule zu spielen.

 

Aber damit es schneller geht, hat Rüdiger die Mannschaften aufgestellt, und das hat sehr gut geklappt.

 

„Gut, das Schweinchen, das werfe ich“, hat Madjid gesagt.

 

„Nein“, hat Rüdiger gesagt, „ich werfe es!“

 

„Aber wir sind doch in derselben Mannschaft!“, hat Madjid gesagt.

 

„Wenn du in meiner Mannschaft bleiben willst“, hat Rüdiger geschrien, „dann lässt du mir das Schweinchen!“ Er hat das Schweinchen geworfen – ganz weit, so als ob wir Jägerball spielen – und er hat seine Kugel geworfen, aber nicht fest genug.

 

„Das Schweinchen liegt zu weit“, hat Rüdiger gesagt.

 

Er hat seine Kugel zurück holen wollen, aber Bernd hat zu ihm gesagt, wenn er das macht, redet niemand mehr mit ihm. Rüdiger hat gesagt, gut, einverstanden, von mir aus, aber wir sind alle Spielverderber und Flaschen. Ich, ich habe mich ganz gut platzieren können, Manfred hat verschossen, aber der andere Manfred, der hat seine Kugel genau gegen das Schweinchen geworfen – sagenhaft!

 

„Gut“, hat Madjid gesagt, „die knall ich weg!“

 

„Nein“, hat Rüdiger gesagt, „spiel das Schweinchen an!“

 

„Wie kann ich das Schweinchen anspielen, wenn die Kugel von dem Doofmann direkt vor dem Schweinchen liegt?“, hat Madjid gerufen.

 

„Wenn du versuchst, ihn wegzuknallen, dann triffst du nicht und dann haben wir keine Kugeln mehr und verlieren und dann hau ich dir eins mit der Faust auf die Nase.“

 

„Wer ist denn hier der Doofmann?“, hat der andere Manfred gefragt.

 

Und er hat sich mit Madjid gehauen. Sie haben sich eine Menge Ohrfeigen und Tritte verpasst, und da ist Herr Luckmann angerannt gekommen und er war fuchsteufelswild. „Aufhören! Sofort aufhören!“, hat Herr Luckmann gerufen, mit einer Stimme, wie sie Mama hat, wenn ich sie wütend gemacht habe.

 

„Was ist hier los? Was ist das für ein Lärm?“, hat der Roderig gerufen, der ist ebenfalls angerannt gekommen.

 

„Hab ich's Ihnen nicht gesagt, dass wir mit diesen Rabauken und ihrem Boule-Spiel noch Ärger kriegen“, hat Herr Luckmann gerufen. 

 

„Wir werden schon keinen Ärger kriegen“, hat der Roderig gesagt, „aber ich möchte, dass man mir erklärt, was hier vorgeht, damit ich durchgreifen kann!“

 

„Das ist wegen Madjid!“, hat Rüdiger gerufen. „Ich habe gesagt, er soll punkten und er will wegknallen!“

 

„Punkten?“, hat der Roderig gesagt, ganz erstaunt. „Aber nein! Die muss man einfach schießen!“

 

„Aha! Siehst du! Siehst du!“, hat Madjid zu Rüdiger gesagt.

 

„Ruhe ihr beiden!“, hat Herr Luckmann gerufen. „Ich möchte Ihnen ja nicht widersprechen, aber meiner Meinung nach wäre es klüger, zu legen! Es ist zu weit zum Schießen, und mit den Holzkugeln … Ich habe zum Beispiel in den Ferien ...“

 

„Kommen Sie, kommen Sie, Luckmann“, hat der Roderig gesagt. „Im Ernst, Sie sehen doch selbst, dass das die einzige Möglichkeit ist. Wenn man da nicht draufhält, ist der Punkt verloren – das ist doch klar!“

 

„Die kann man unmöglich schießen, diese Kugel“, hat Herr Luckmann gesagt.

 

„Ich werde Ihnen zeigen, ob das möglich ist“, hat der Roderig gesagt. Und er hat Madjid die Kugel aus der Hand genommen. Aber er hat es uns nicht mehr zeigen können, denn der Rektor – den hatten wir gar nicht kommen sehen – hat gesagt:

 

„Herr Roderig – ich wäre Ihnen sehr verbunden, wenn Sie die Güte hätten, zum Ende der Pause zu läuten – das hätte nämlich schon vor sieben Minuten geschehen müssen. Ich erwarte Sie und Herrn Luckmann in meinem Büro. Da werden wir die Partie fortsetzen.“ Und da hat der Rektor bestimmt gewonnen, nämlich in der nächsten Pause haben der Roderig und Herr Luckmann sehr verärgerte Gesichter gemacht.


 

 

 

„La batarde“

Zweite Mannschaft, zweiter Ligatag, zweites Doublette, zwei Frauen gegen Harald und mich – und es fängt gut an. Die Gegnerinnen machen ihren ersten Punkt bei 8:0; wir machen konzentriert weiter, aber sie kommen langsam 'ran. Ein zähes Ringen, erst recht als klar ist, dass unsere Partie die Entscheidung bringt – 3:2 oder 2:3?

Bei 12:10 für uns (ver-) lege ich eine Batarde einen Meter links von der Sau. Nun geschieht Unglaubliches: unsere Gegnerinnen platzieren nacheinander fünf Kugeln schnurgerade am Schweinchen vorbei – alle zu lang! Ulla geht mit ihrer letzten in den Kreis, guckt kaum hin und wirft mit der Bemerkung: „Das war' s dann ja wohl!“

Dabei trifft sie das Schwein und es rollt wie eine Flipperkugel zu den Kugeln, die vorher durch gelegt waren: fünf Punkte auf einem Bierdeckel- unfassbar!!!!!

Mit unseren fünf Kugeln auf der Hand sind wir voller Zuversicht: ein Pünktchen ist zu schaffen! Mit einem Flachschuss reduzieren wir schon mal auf drei Punkte. Und wir versuchen alles, bis zur letzten Kugel- aber vergeblich! Diese drei bleiben so liegen und die Partie ist verloren.

Wir vier und auch das Publikum brauchen eine Weile um zu begreifen, wie das passieren konnte. Unser Gewinn liegt (nur) in der Erkenntnis: Wer aufhört zu kämpfen hat deshalb noch lange nicht verloren!


 

„Auf dem Dach vom Stadthaus 1“

Ein leidenschaftlicher Boulespieler hatte mit seinem Motorrad einen folgenschweren Unfall. Als er im Krankenhaus wieder zu sich kam, überbrachte ihm der Chirurg die schlechte Nachricht, dass er ihm die rechte Hand hatte amputieren müssen – seine Boulehand. Der Spieler war am Boden zerstört. Er war sich sicher, dass er mit der anderen Hand niemals so viel Gefühl für das Legen, niemals diese Treffsicherheit beim Schießen entwickeln würde. Er hatte die Fähigkeit verloren, das zu tun, was ihm mehr bedeutete als alles andere. Er glaubte, auch den Sinn seines Lebens verloren zu haben.

Unmittelbar nach seiner Entlassung aus der Raphaels-Klinik ging er ins Stadthaus 1 und fuhr mit dem Aufzug bis ins oberste Stockwerk. Er öffnete die Tür zum Dach und ging entschlossen bis an dessen Kante vor. Mit einem Sprung wollte er diesem Leben ein Ende setzen.

Als er in die Tiefe schaute, sah er etwas Erstaunliches: unten auf der Heinrich- Brüning-Straße war ein Mann ganz ohne Arme, der voller Freude die Straße entlang tänzelte!

„Meine Güte“, dachte der Spieler bei sich, „ich habe nur meine Boulehand verloren, und da ist ein Mann, der gar keine hat, nicht einmal Arme, und er tanzt! Wie kann ich da den Tod suchen?“

Er entschied sich für das Leben und kam vom Dach wieder herunter. „Ich muss aber unbedingt das Geheimnis dieses Mannes herausbekommen“, dachte er bei sich. „Wie kann er so glücklich sein – ganz ohne Hände?“

Er rannte zum Aufzug, fuhr ins Erdgeschoss und lief dem Mann hinterher. Noch auf der Höhe von Karstadt holte er ihn ein – ein Mann ohne Arme ist kaum zu übersehen.

„Danke, mein Herr! Vielen, vielen Dank! Sie haben mir soeben das Leben gerettet. Ich bin Boulespieler und habe durch meinen Motorradunfall die Hand verloren, mit der ich unglaublich viel Freude und Erfolg beim Boulen hatte. Das hat mich so fertig gemacht, dass ich vom Stadthaus springen wollte. Doch da sah ich Sie, wie Sie tanzten. Verraten Sie mir bitte, wie Sie ohne Arme dermaßen glücklich sein können.“

Der Mann ohne Arme schwieg einen Moment lang. Dann sagte er: „Na ja, ein richtiger Tanz war das eigentlich nicht. Ich habe bloß versucht, mich am Hintern zu kratzen.“ 
nach Ajahn Brahm „Der Elefant, der das Glück vergaß“ (Lotos Verlag)  


 

DAS Spiel meines Lebens?!

Es ist schon eine Weile her, da fuhren wir zur Vorbereitung auf die Liga- Saison nach Doetinchem. Das erste Spiel bescherte Harald, Meinhard und mir drei „Lokalmatadore“ auf der ersten Bahn, welche sich vor allem durch eine Senke mit dahinter liegendem Hügel von allen anderen unterschied.

Unsere Gegner zeigten sich mit diesen Gegebenheiten bestens vertraut - wir spielten gut, sie etwas besser und wenn es eng wurde, nutzten sie „ihren“ Hügel äußerst gekonnt aus. So kämpften wir über eine Stunde beharrlich und machten tatsächlich genau bei 0:12 unseren ersten Punkt.

Da fast alle Spiele schon beendet waren, hatten sich schon reichlich Zuschauer versammelt. Ich nahm die Sau und warf sie diagonal auf die nunmehr freie zweite Bahn, die natürlich keinen Hügel hatte. Dort gewannen wir dann die nächsten Aufnahmen. Unsere Gegner bewiesen aber, dass sie auch auf ebenen Bahnen gut spielen konnten – wir hielten voll dagegen! Mittlerweile schauten fast alle Anwesenden unserer Auseinandersetzung zu und es entwickelte sich ein höchst intensiver Kampf um kleinste Vorteile.

Nicht nur meine Nerven waren zum Bersten gespannt und wirklich jede Kugel wurde mit letzter Konzentration gespielt. Niemand wollte sich geschlagen geben, wir machten Punkt um Punkt gut!

Als nichts mehr ging schoss Meinhard in höchster Not die Sau. Ich verschwand da schnell hinter Haralds Rücken, da mir die Gesichtszüge zu entgleisen drohten. Und dann wurde alle verbliebene Kraft in die letzte Aufnahme gelegt: Wir machten die zwei Punkte, die noch fehlten! 13:12 und das Spiel komplett gedreht! Fast zweieinhalb Stunden waren vergangen, großer Applaus! Erschöpfung! Wahnsinn!

(Viele haben natürlich auch deshalb geklatscht, weil das Turnier nun endlich weiter ging …) Heute glaube ich nicht, dass ich so ein Spiel noch einmal erleben werde. DIESE dreizehn Punkte von Doetinchem bleiben für mich wohl einmalig!


 

„Die Sandwich–Methode“

Auch beim Boule müssen wir manchmal Leute kritisieren. Aber oft tun wir das dermaßen ungeschickt, dass sie beleidigt sind. Woraufhin wir uns mies fühlen und künftig darauf verzichten, überhaupt irgendein Feedback zu geben.

Aber stellt euch ein Unternehmen vor, dessen Chefin so konfliktscheu ist, dass sie ihre Mitarbeiter nicht auf Fehler hinweist. Das Geschäft wird darunter leiden. Wir müssen Kritik üben, um die Qualität aufrecht zu erhalten, und zwar rechtzeitig. So geht’s:

Als erstes lobst du diejenige Person, die du kritisieren willst. Trage ruhig dick auf, bleibe aber bei der Wahrheit. Das Lob hat den Sinn, der/dem anderen zu vermitteln, dass wir sie/ihn respektieren, die Leistungen anerkennen und niemanden fertig machen wollen.

Ein Lob ist auch ein Ohröffner. Wir achten viel zu wenig darauf, was die Leute wirklich sagen, und konzentrieren uns stattdessen eher auf das, was wir zu hören meinen. Ein Lob wirkt nun wie ein Köder, der dafür sorgt, dass richtig zugehört wird.

Dann kommt der „Hammer“ der Kritik. „Aber du …!“ Und dein Tadel wird in dem Moment auf offene Ohren treffen.

Zu guter Letzt trage noch eine weitere dicke Schicht Lob auf, mit dem du noch einmal zum Ausdruck bringst, dass du den anderen Menschen nicht ablehnst, sondern seine guten Seiten sehr wohl zu schätzen weißt und du ihn nur auf einen oder zwei Fehler hinweisen willst.

Mit dem Ergebnis, dass die gerügte Person die Kritik annehmen kann, ohne sich erniedrigt zu fühlen.

Die Sandwich-Methode packt die Kritik zwischen zwei (Brot-) Scheiben Lob. So wird das ganze bekömmlich. Und vielleicht können wir ja unseren Mitspielenden sogar auch mal zwei Scheiben Lob ganz ohne Füllung anbieten …

nach Ajahn Brahm „Der Elefant, der das Glück vergaß“ (Lotos Verlag)


 

Von Spielern

(...) Einer meiner Freunde erwachte eines Tages aus einem märchenhaften Traum.
Ihm hatten fünf Engel fünf große Krüge, angefüllt mit Gold, überreicht. Als er
die Augen öffnete, war alles verschwunden, doch der Traum ließ ihn nicht los.
In der Küche sah er, dass ihm seine Frau fünf Eier mit fünf Toastscheiben zum
Frühstück gemacht hatte. Und die Zeitung verriet ihm, dass es der 5. Mai war.
Das konnte doch kein Zufall mehr sein! Er blätterte die Zeitung bis zur Seite
mit den Pferderennen durch. Erstaunt stellte er fest, dass in Ascot
(ausgerechnet 5 Buchstaben) beim fünften Rennen, an fünfter Position ein Pferd
mit dem Namen "Five Angels" starten sollte! Dieser Traum war zweifellos ein
Omen gewesen!
Er hob am Nachmittag fünftausend Dollar von seinem Konto ab und setzte beim
Buchmacher alles auf den Sieg vom fünften Pferd im fünften Rennen: "Five
Angels"!
Dieser Traum konnte einfach nicht irreführend sein!
Und er war es auch nicht: "Five Angels" kam als fünftes ins Ziel. (...)
Ajahn Brahm


 

Ich werde nie ein cooler Bouler

Seit über einem Jahrzehnt werfe ich nun mit Hingabe meine zwei bis drei Kugeln in die Bahnen, die für uns die Welt bedeuten. Trotz einiger großer und sehr viel mehr kleiner Erfolge muss ich eines leider feststellen: Ein cooler Bouler werde ich nicht mehr!

Ich gestehe, dass ich Illusionen hatte. Ich wollte eines Tages so sein wie sie. Sie waren mir Vorbild und unerreichbare Größe, die Coolen beim Boulen! Was haben sie mir nicht alles gezeigt:

  • Der coole Bouler steht wenigstens mit den Schuhspitzen außerhalb des Kreises. Damit demonstriert er seine territoriale Souveränität!
  • Der coole Bouler benutzt einen Lappen, der die Größe eines Bierdeckels selten übersteigt.  In meinen kann man einen Säugling bequem einwickeln.
  • Der coolere Bouler hat nie ein Schweinchen dabei. Ich habe immer mehrere in der Kugeltasche, jeweils gut kontrastierend zum Untergrund. Und für alle Fälle eines, mit dem ich noch nie verloren habe. Das ist dann auch mein neuestes …
  • Ein Maßband braucht der Coole nicht. Er sieht die Punktkugel sofort. Und messen können die anderen bestimmt.
  • Nach einer gelungenen Aktion freut sich der coole Bouler nicht sichtbar. Er berührt höchstens seinen Mitstreiter kurz an der Hand, aber ohne Blickkontakt. Ich habe schon so impulsiv gejubelt, dass der Schiedsrichter glaubte, mich ermahnen zu müssen. Oft misslingt mir dann die folgende Kugel.
  • Der coole Bouler spielt die Turniere mit immer wieder anderen möglichst Abgebrühten. Mir ist es immer noch am allerwichtigsten, dass sich auch ein persönliches Miteinander im Spiel weiter entwickelt.
  • Der coole Bouler spricht kaum mit seinen Mitspielern und noch weniger mit den Gegnern. Falls es einmal wirklich eng werden sollte, verstummt er ganz. Das habe ich bei mir schon oft ganz anders erlebt …
  • Mit Beginn der MESZ trägt der coole Bouler eine Sonnenbrille. Auch wenn die Sonne nicht scheint.
  • Der coole Bouler lebt für seinen sportlichen Erfolg. Die Mitwirkung im Vereinsleben kostet wertvolle Zeit für Training und „Zocken“. Für mich gehört der Rahmen mit zum Bild und ohne Engagement möglichst aller Boulerinnen und Bouler läuft nichts auf Dauer in unserer Randsportart.

So, nun ist es heraus und es fällt mir nach meinem öffentlichen Bekenntnis viel leichter, meiner sportlichen Entwicklung ins Auge zu blicken: Ziemlich uncool habe ich Freude rund um Boule! Und um mal endlich wirklich der Coolste zu sein muss ich anscheinend allein in der Sauna sitzen! 

gez.  P. Tank


 

Ein König verletzte sich auf der Jagd am Finger. Sein Leibarzt, der immer in seiner Nähe war, behandelte die Wunde. "Wird alles wieder gut?", fragte der König. Der Arzt antwortete: "Ob gut, ob schlecht- wer weiß das schon?". Eine Woche später war der Finger entzündet und der Arzt musste die Wunde noch einmal aufschneiden. Der König fragte nach den Heilungschancen und der Arzt meinte nur: "Ob gut, ob schlecht- wer weiß das schon?"

Als der Finger ein paar Tage später amputiert werden musste, war der König furchtbar verärgert und ließ den Arzt ins Gefängnis werfen. Persönlich verriegelte er die Tür und rief: "Nun geht es dir so richtig schlecht!" Von drinnen kam nur: "Ob gut, ob schlecht- wer weiß das schon?"

Als er genesen war, zog der König wieder auf die Jagd und hatte das Pech, sich im Dschungel zu verlaufen. Ein Stamm der Eingeborenen ergriff und fesselte ihn und wollte ihn den Göttern opfern. Mit dem Messer schon in der Hand prüfte der Schamane noch einmal das Opfer und rief plötzlich: "Lasst ihn frei, er ist nicht makellos. Ihm fehlt ein Finger!"

So kam der König nach Tagen wieder zu seinem Palast zurück und befreite als erstes seinen Arzt aus dem Gefängnis. "Es tut mir leid, das war schlecht von mir," entschuldigte sich der König. "Ob gut, ob schlecht- wer weiß das schon?" meinte der Arzt. "Ich wäre gewiss an Eurer Seite gewesen, als die Eingeborenen ihr Opfer wollten. Und ich habe noch alle Finger ..."

(nach Ajahn Brahm "Der Elefant, der das Glück vergaß")

 

   
© Klub für Kugelsport Münster e. V.